Weinbau Madonnenberg Schriesheim e. V.
Weinbau Madonnenberg Schriesheim e. V.

Mannheimer Morgen vom 14.10.2017

 

Schriesheim Vize-Ministerpräsident Thomas Strobl neuer Ehrenpate des Madonnenbergvereins / Ähnlichkeiten zwischen Politik und Wein

 

"Nicht jede Flasche hält, was das Etikett verspricht"

 

14. Oktober 2017 Autor: Konstantin Groß

 

Begrüßung des stell-vertretenden Minister-präsidenten in Schries-heim (v. l.): Bürger-meister Höfer, Minister Strobl, Weinprinzessin Sophie und Weinkönigin Lisa.

 

© Groß

 

 

 

Hochkarätiger Rahmen: Die Laudatio hält der frühere Landesbischof Ulrich Fischer

 

 

 

© Groß

 

Im und um das Hotel "Kaiser" sind gestern Mittag seltsame Herren zu Gange: sichtlich durchtrainiert, top gekleidet, jeweils "Knopf im Ohr", überall und nirgendwo hinblickend. Zwei am Eingang des Saals, zwei im Hof, ein weiterer in der Heidelberger Straße. Schon diese Sicherheitsvorkehrungen zeugen von der Bedeutung des Mannes, der hier zum Ehrenpaten des Schriesheimer Madonnenbergs gekürt werden soll: Thomas Strobl, Innenminister und Stellvertreter des Ministerpräsidenten.

 

Zu seinen Ehren sind an die 50 hochkarätige Gäste versammelt, unter ihnen sämtliche Geistliche der Stadt (immerhin geht es hier um den "Madonnen"-Berg), dazu Honoratioren aus der gesamten Region. Die stellvertretende Leiterin der Musikschule, Svetlana Klaus, sorgt für die musikalische Umrahmung - mit Mendelssohns "Lied ohne Worte".

 

Die folgen danach. Bürgermeister Hansjörg Höfer erinnert an die bei strahlendem Sonnenschein erfolgte Lese am 23. September, die 1400 Kilogramm mit 88 Grad Öchsle ergibt. Auch die Infrastruktur zeigt sich seit kurzem verbessert - nach der Sanierung der Mauer "mit Landeszuschüssen", wie er in Richtung Strobl dankt, sowie der Aufstellung einer Bank: "Von hier aus kann man einen sensationellen Ausblick genießen."

 

Die Laudatio hält der Geehrte des Vorjahres. Der ehemalige badische Landesbischof Ulrich Fischer vermerkt, dass sowohl er als auch Strobl in Heidelberg studiert haben: "Nun verfügt der Verein über einen kompetenten Juristen bei Problemen mit Grundstücken und Wegen" - "und mit Bauten", schallt ihm in Anspielung auf die legendäre Hütte aus dem Publikum lachend entgegen.

 

Dank Strobls Amt als Innenminister genießt der Madonnenberg jetzt außerdem "nicht nur bischöflichen Segen, sondern auch polizeilichen Schutz." Und aus gut unterrichteten Kreisen weiß Fischer, dass es gar ein "SEK Madonnenberg" gebe . . .

 

Es ist an Alt-Landrat Dr. Jürgen Schütz, in Vertretung von Stefan Dallinger die Urkunde zu überreichen: "So bekommt man mal wieder eine Aufgabe, wenn der Nachfolger terminlich verhindert ist." Schütz erinnert, dass auch er einst im Innenministerium tätig war und dann ins Staatsministerium kam, den Amtssitz des Ministerpräsidenten: "So kann es gehen", meint er in Anspielung auf den Minister vor ihm.

 

Aus einer Rotwein-Region

 

Der Geehrte bedankt sich in nicht minder launigen Worten. "Weinbau und Politik haben ja Vieles gemein", weiß Strobl: "Nicht jede Flasche hält, was das Etikett verspricht", feixt er unter dem Gelächter des Saales.

 

Doch sich selbst sieht Strobl natürlich als idealen Ehrenpaten. Immerhin kommt er aus Heilbronn, "der größten Rotweinregion in Deutschland", wie er vermerkt. Schon als Fünfjähriger ist er im Weinberg unterwegs, als Zehnjähriger trägt er eine Kinderbutte, als Jugendlicher hilft er bei der Lese, um sich etwas hinzuzuverdienen: zehn Mark pro Stunde - "und eine kostenlose Vesper, wie heute Mittag hier."

 

Doch nicht nur der Produktionsprozess, auch das Produkt selbst hat es Strobl natürlich angetan. Schon als er in Heidelberg die Rechte studiert, genießt er mit Freunden den Bergsträßer Wein und radelt mit ihnen nach Schriese. Richtig schätzen lernt er den badischen Wein jedoch erst, so bekennt er, durch die Heirat mit einer Badenerin: "Zuvor war es für mich unvorstellbar, dass es außerhalb Württembergs einen guten Rotwein geben könnte." Inzwischen zählt der badische Spätburgunder mit zu seinen liebsten Tropfen.

 

Aber auch noch aus einem anderen Grund nimmt Strobl die Würde an - nach Blick in die Liste der früheren Geehrten: "Erwin Teufel, Günther Oettinger, Winfried Kretschmann" - schmunzelnd zählt er die Ministerpräsidenten auf, und jeder hier weiß, was damit gemeint ist.

Und wie diese gibt auch Strobl ein Versprechen, das jeder Ehrenpate ablegt: "Im nächsten Jahr bin ich bei der Weinlese dabei!" So lange denken die Gäste jedoch noch nicht voraus: Sie sind schon glücklich, als das "Kaiser"-Team nach 14 Uhr das köstliche Mittagsmahl serviert.

 

© Mannheimer Morgen, Samstag, 14.10.2017

Rhein-Neckar-Zeitung vom 14.10.2017

Neuer Pate ist gelernter "Butten Träger"

 

Landes-Innenminister Thomas Strobl ist jetzt Ehrenpate des Vereins Weinbau Madonnenberg - Vorgänger Fischer hielt launige Laudatio

 

Der frühere Landrat und Vereinsmitbegründer, Jürgen Schütz (r.), verlieh Strobl die Ehrenurkunde.

 

Zuvor hatte der „Zwei-Jahres-Pate“ und ehe-malige Landesbischof, Ulrich Fischer, seinem Nachfolger gratuliert


 

 

 

 

 

 

 

 

Svetlana Klaus umrahmte die Feier musikalisch.

 

 

 


Fotos: Kreutzer

Von Nicoline Pilz

 

Schriesheim. "Thomas Strobl ist einer der wichtigsten Politiker im Lande - so jemanden zum Ehrenpaten des Weinbau Madonnenberg e.V. zu machen, ist für Schriesheim sehr erfreulich", konstatierte gestern beim Konvent des Vereins der frühere evangelische Landesbischof Ulrich Fischer. Gemäß den Statuten des 1989 gegründeten Vereins mit seinen namhaften Mitgliedern und Paten, hielt Fischer eine durchaus launige Laudatio auf seinen Nachfolger im Amt des Ehrenpaten.

 

Und empfahl den stellvertretenden Ministerpräsidenten als einen Menschen, der gerade auch als Jurist für den Verein ein purer Gewinn sei: "Sollten juristische Probleme bei der Weinlese auftreten, die Trauben nicht der EU-Norm entsprechen, Mauern gebaut, Bänke errichtet oder Trinkmengen geregelt werden müssen, hat der Verein mit ihm besten Beistand."

 

Polizei-Schutz für den Berg?

 

Für den Madonnenberg, der von Werner Volk und seinen polnischen Erntehelfern übers Jahr hervorragend gepflegt werde, wie Bürgermeister Hansjörg Höfer unterstrich, sieht Fischer "beste Zeiten" heranbrechen. "Neben dem kirchlichen Segen bekommt er jetzt auch polizeilichen Schutz." Er habe läuten hören, dass das Polizeipräsidium von Mannheim nach Schriesheim verlegt und ein Sondereinsatzkommando "SEK Madonnenberg" gebildet werde, um die ohnehin schon sehr geringe Kriminalitätsrate dort unter null zu drücken.

 

Strobl, Minister für Inneres, Digitalisierung und Migration sowie Stellvertreter von Ministerpräsident Winfried Kretschmann, in Heilbronn geboren und aufgewachsen, empfahl sich selbst als Ehrenpaten: Als Student der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg sei er ab und an aufs "Land" nach Schriesheim geradelt, weil man dort als Student noch etwas gegolten habe. Und zu Wein habe er ganz bestimmt eine gewisse Affinität.

 

Den gestrigen Konvent, in dem auch die Weinhoheiten herzlich grüßten, empfinde er als "sinnstiftende Veranstaltung", die für einen Schwaben ja durchaus mit Vorteilen verbunden sei. "Und es gibt sogar ein Mittagessen", freute sich Strobl schon mal auf das vor, was später aus der Küche des Hotels "Kaiser" kommen sollte. Das Ehrenamt, das Fischer zwei Jahre lang innehatte, habe er nun einfach übernehmen müssen. "Schon, um meinem Glaubensbruder die schwere Last abzunehmen." Doch besitze er auch praktische Erfahrung, sei mit fünf, sechs Jahren schon im "Wengert" gewesen und habe ab dem Alter von zehn Jahren "Butten" auch in den Steillagen getragen. "Das war sehr auskömmlich. Es gab zehn Mark pro Stunde, brutto wie netto, dazu Wein und Essen."

 

So sei er nicht nur gelernter "Butten Träger", sondern könne auch Trauben schneiden, wofür man ein "feines Händchen" brauche, um die "Früchtchen" zu unterscheiden. Und nicht jede Flasche halte, was das Etikett verspreche, auch da kenne er sich aus. Das sei wie im Bundestag: "Da werden auch manche erkennen, dass sie einem blauen Etikettenschwindel aufgesessen sind." Obwohl er ja aus Heilbronn und somit dem größten Rotweingebiet des Landes entstamme, habe er durch seine Heirat mit einer Badenerin (Strobl ist mit Christine Strobl, der Tochter von Bundes-Finanzminister Wolfgang Schäuble verheiratet, Anm. d. Red.) Weißweine schätzen gelernt. Aber auch der badische Spätburgunder sei ein "wunderbarer Essensbegleiter" zu Wildbret und "Sau".

 

Die vom früheren Landrat und Vereinsmitbegründer Jürgen Schütz verliehene Ehrenurkunde sehe er als "gewisse Belohnung" für das am Mittwoch eingebrachte Gesetz, das unter anderem die Aufhebung des nächtlichen Alkoholverkaufsverbots in Baden-Württemberg beinhalte. Hier erntete Strobl eher skeptische Blicke aus den Reihen des Konvents, besetzt mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Kirche, mit Bürgermeister Höfer als Vereinsvorsitzendem. Denn Schriesheim ist gerade beim jährlichen Mathaisemarkt froh über dieses Verkaufsverbot als eine von mehreren Präventionsmaßnahmen gegen Gewalt und Randale. Applaus gab’s aber für Strobls Ankündigung, im kommenden Jahr bei der Weinlese im Madonnenberg höchstpersönlich Hand anzulegen. Die letzte Lese fand am 23. September statt: Bei strahlendem Sonnenschein, mit einer neuen Bank und hervorragenden Weinen, wie sich Höfer erinnerte. Alle, die nicht dabei gewesen wären, hätten etwas verpasst.

 

1400 Kilogramm hatten die fleißigen Helfer geerntet, mit einem Mostgewicht von 88 Grad Oechsle. "Das meiste versekten wir ja seit Jahren", erklärte Schütz. Den jährlichen Konvent mit der Ernennung eines neuen Ehrenpaten aus den Reihen bekannter Persönlichkeiten hält der Weinbau Madonnenberg e.V. stets in der Zeit nach der Lese ab.

 

Strobl selbst schloss seine Rede mit einem Augenzwinkern und dem Zitat: "Der größte Feind des Menschen wohl, das ist und bleibt der Alkohol. Doch in der Bibel steht geschrieben: Du sollst auch deine Feinde lieben." In dieser Konsequenz folgte naturgemäß das "Prosit" mit Weinen der Winzergenossenschaft Schriesheim.

 

Mannheimer Morgen vom 10.10.2016

Schriesheim: Weinlese am historischen Madonnenberg / Auch Landrat Stefan Dallinger packt im Wingert mit an

 

„Das wichtigste sind die Gespräche“

 

Von unserer Mitarbeiterin Stefanie Oemisch

 

Schriesheims Bürgermeister Hansjörg Höfer (r.) mit vielen frei- willigen Helfern beim Vesper nach der Lese am Madonnenberg.

 

© oemisch .

 

Der Sommer und der Herbst 2016 waren ein echter Gewinn für den Weinbau in Baden und der Pfalz. Nun können die Winzer die Früchte ihrer Arbeit ernten. Auch der Verein Weinbau Madonnenberg aus Schriesheim freut sich in diesem Jahr über eine gute Traubenernte.

 

Bei der Lese vergangenes Wochenende waren wieder Größen wie Schriesheims Bürgermeister Hansjörg Höfer, der ehemalige Landesbischof Ulrich Fischer und Landrat Stefan Dallinger mit von der Partie. Auch der ehemalige Landrat Dr. Jürgen Schütz, Bernhard Carl, der Vorstandssprecher der Volksbank Kurpfalz, sein ehemaliger Kollege Friedrich Ewald, der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Rhein-Neckar-Nord, Rüdiger Hauser, Schriesheims Alt-Bürgermeister Peter Riehl und Dieter Kolb, der ehemalige Geschäftsführer der Heinrich-Vetter-Stiftung, waren an der Lese beteiligt.

 

Trotz des nassgrauen Wetters begann die Lese am frühen Morgen. Rund 20 Helfer insgesamt beteiligten sich am Sammeln der Trauben. "Die Trauben sind durch den warmen Sommer und Frühherbst und die letzten kalten Tage perfekt. Sie sind reif, nicht gefault und somit genauso, wie wir sie gerne haben", schwärmte Bürgermeister Höfer, in seiner Funktion als Vorsitzender des Vereins Weinbau Madonnenberg. Insgesamt nur zwei Stunden lasen die Helfer die Trauben von den Reben. Rekordzeit, wie Höfer berichtete: "Die Lese ist in diesem Jahr sehr gesund und einfach von den Reben abzubekommen. Deshalb waren wir fast zwei Stunden früher fertig als normalerweise."  

 

Das Ergebnis sind rund 2000 Kilo reife Trauben mit 80 Grad Oechsle, die in den kommenden Wochen und Monaten zum beliebten Madonnenbergsekt verarbeitet werden sollen. Da in diesem Jahr zum ersten Mal auch die Ehefrauen der männlichen Vereinsmitglieder an der Lese beteiligt waren, sind sich die Vereinsmitglieder sicher, dass der Madonnenbergsekt ganz besonders gut schmecken wird. Nicht nur die Lese, sondern auch die Stimmung der Helfer war hervorragend. "Das wichtige sind hier vor allem die Gespräche während der Arbeit. Der Sekt ist nur ein schönes Nebenprodukt", scherzte Stefan Dallinger.

 

Angeregt Konversation konnte vor allem beim ausgiebigen Vesper nach der Lese betrieben werden. Und mit Blick über die Ebene schmeckten die traditionelle Hausmacher Wurst, Blutwurst, Schwartenmagen, Mett und Käse gleich noch viel besser. Dazu gab es, wie sollte es auch anders sein, den Madonnenbergsekt aus dem vergangenen Jahr, Schlossbergriesling und einen Rosé, der Lieblingswein des Landrates.

 

Pünktlich zum Ende des Vespers begann es zu regnen, die Trauben waren zu diesem Zeitpunkt jedoch schon eingefahren und sicher verwahrt. Nun kann der Winter also kommen.

 

© Mannheimer Morgen, Montag, 10.10.2016

Rhein-Neckar-Zeitung vom 23.10.2015

Ulrich Fischer Ehrenpate des Schriesheimer Madonnenberg-vereins

 

Bürgermeister Hansjörg Höfer, Landrat a. D. Jürgen Schütz, Ehrenpate Ulrich Fischer mit seiner Frau Brigitte sowie Laudator Robert Zollitsch (v. r.). Foto: Kreutzer

 

Der ehemalige Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Baden, Ulrich Fischer, ist neuer Ehrenpate des Schriesheimer Madonnenbergvereins. Dessen Mitglieder pflegen noch immer einen Weinberg an den Hängen über der Stadt. Dazu ist nun auch Fischer jederzeit eingeladen. Er wurde gestern im Rahmen des Weinkonvents im Zehntkeller der Stadt gekürt. Die Laudatio hielt sein Vorgänger in der Ehrenpatenschaft, der emeritierte Erzbischof von Freiburg, Robert Zollitsch.

 

Bei so viel hoher Geistlichkeit wundert es nicht, dass die Bibel und ihre besonderen Bezüge zum Wein sowohl Zollitschs Rede, als auch Fischers Erwiderung prägten. Ihre Vorträge waren aber alles andere als trocken. Zollitsch, der ehemalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, hob hervor, dass es selbst in Badens bewährter Ökumene einmalig sei, dass ausgerechnet die Madonna, also Maria, ihn und Fischer in Schriesheim zusammenführe und sich dabei des Weines als bewährtem Mittel bediene. Fischer (Foto: Kreutzer) lobte, der Madonnenbergverein sei theologisch gut informiert. Oft habe er über Maria als Vorbild des Glaubens gesprochen: „Also bin ich auch für den Madonnenberg der richtige Mann.“ Fischer und Zollitsch eint überdies der Bezug zur Kurpfalz. Der Katholik wuchs in Mannheim auf, der Protestant war in jungen Jahren Pfarrer in Sandhausen und Heidelberg, später Dekan in Mannheim.

Mannheimer Morgen vom 23.10.2015

Bürgermeister Hansjörg Höfer (linkes Bild r.) und Alt-Landrat Jürgen Schütz (2. v. r.) mit Ulrich Fischer (M.) und seiner Frau Brigitte sowie Laudator Robert Zollitsch. Die rund 80 Gäste verfolgen die Ehrung.

 

©  -tin

 

Es liegt zwei Jahre zurück. Der Vorstand des Vereins Weinbau Madonnenberg überlegt, wen er mit seiner jährlich zu vergebenden Würde des Ehrenpaten bedenken soll. Da macht Friedrich Ewald, der Vorsitzende des Winzergenossenschaft Schriesheim, einen Vorschlag: Wie wäre es mit den Repräsentanten der beiden christlichen Konfessionen im Lande, in deren Tradition Wein doch eine gewichtige Rolle spielt?

 

So geschieht es: Im vergangenen Jahr wird Robert Zollitsch, der bisherige Erzbischof von Freiburg, geehrt. In diesem Jahr folgt ihm sein damaliger protestantischer Amtsbruder Ulrich Fischer: Gestern Abend wird dem langjährigen Landesbischof der Evangelischen Kirche in Baden die Würde des Ehrenpaten verliehen.

 

Traditionelles Protokoll

 

Anlass ist der Weinkonvent im herbstlich geschmückten Zehntkeller. Etwa 80 Repräsentanten des gesellschaftlichen Lebens der Region haben sich versammelt, begrüßt von Bürgermeister Hansjörg Höfer als Vorsitzendem des Madonnenbergvereins. Weinprinzessin Katrin Hartmann spricht ein Grußwort, ihre Mit-Prinzessin Lisa Menges sagt einen Trinkspruch auf - liebgewordenes Protokoll einer Weinstadt bei Veranstaltungen dieser Art.

 

Höfer erinnert an die diesjährige Ernte des Madonnenbergvereins vom 18. September - ein voller Erfolg: Hervorragender Riesling mit 80 Grad Öchsle, ideal zur Zubereitung von Sekt, wie ihn der Verein plant.

 

Thema Kirche und Wein

 

Es ist an Robert Zollitsch, als Ehrenpate des Vorjahres die Laudatio auf seinen diesjährigen Nachfolger zu halten. Der ehemalige Erzbischof tut dies, wie es seine Art ist, versiert, indem er an die Verbindung von Wein und Kirche erinnert. Es seien immerhin die Klöster gewesen, die einst ausgedehnte Weinberge unterhalten haben, gar ein Pfarrer derjenige, der die erste Winzergenossenschaft des Landes gründet.

 

Aber Weinbau ist noch mehr, macht der katholische Theologe deutlich: Er ist ein Zivilisationsgut. Wenn im Weinberg gearbeitet wird, dann herrscht eine Zeit des Friedens, nur Krieg unterbricht das Schaffen im Wingert. Zudem ist der Weinberg ein Stück Kulturlandschaft unseres Landes. Und vielleicht ist es ja gerade diese Mischung aus Naturgut und fröhlichem Menschenschlag, die seinen Nachfolger als Paten aus dessen Heimat in der Lüneburger Heide in unsere Breitengrade geführt hat, mutmaßt der Laudator.

 

Ulrich Fischer bleibt die Antwort darauf nicht schuldig. Aus einer Familie von Abstinenzlern stammend, trinkt auch er selbst keinen Alkohol, bis er Student ist. Erst im Studentenwohnheim in Göttingen ändert sich das: Sein Zimmernachbar macht ihm klar, dass beide wohl keine Freunde werden können, wenn Fischer mit ihm kein Glas Wein trinkt.

 

Und dass er sich damit fortan in bester theologischer Gesellschaft befindet, das macht Fischer in seiner temperamentvollen Dankesrede sehr deutlich. So erinnert er daran, dass Noah der erste Weinbauer gewesen sei - und wohl auch einer, der zuweilen kräftig einen über den Durst getrunken habe. Und neben Brot sei Wein ein Kernelement christlichen Lebens - bis hin zum Bestandteil des Abendmahles.

 

Temperamentvolle Dankesrede

 

So weit, so bekannt. Doch Fischer zitiert auch deftige Stellen aus der Bibel, die der Normalbürger nicht in der Heiligen Schrift verorten würde; das Wort von "Wein, Weib und Gesang" ist da noch das Harmloseste.

 

Immerhin, so macht der evangelische Theologe klar, sei auch Jesus kein Kostverächter gewesen. Die Hochzeit von Kana, bei der immerhin 600 Liter Rebensaft durch die Kehlen der Gäste laufen, sei ein untrügliches Zeichen dafür.

 

Diese Menge sei immerhin so groß, dass der Heilige Hieronymus das berühmte Wort formuliert: "Davon trinken wir noch heute." Und Fischer schließt mit dem Bonmot, wonach ein Geistlicher seinen Amtsbruder nach einem weinseligen Abend fragt: "Glaubst Du an die Auferstehung von den Toten?" Und dieser antwortet: "Heute nicht mehr!"


© Mannheimer Morgen, Freitag, 23.10.2015

Mannheimer Morgen vom 12.10.2015

Jetzt ist es offiziell: Der traditionelle Weinkonvent des Vereins Weinbau Madonnenberg Schriesheim e. V. findet am Donnerstag, 22. Oktober, 17 Uhr, im Historischen Zehntkeller statt. Die entsprechende offizielle Einladung von Landrat Stefan Dallinger und Bürgermeister Hansjörg Höfer in ihren Funktionen als Kuratoriums- bzw. Vorstandsvorsitzender dieses Vereins ging den Ehrengästen am Wochenende zu.

 

 

Bild: tin

Die Festrede hält - als Ehrenpate des Vorjahres - der frühere Erzbischof von Freiburg und ehemalige Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch. Auf wen er die Laudatio hält, wer also der diesjährige Ehrenpate des Vereins sein wird - das wird traditions- gemäß im Vorfeld nicht öffentlich bekanntgegeben.

 

© Mannheimer Morgen, Montag, 12.10.2015

Mannheimer Morgen vom 21.10.2014

Schriesheim: Der Freiburger Alt-Erzbischof Robert Zollitsch wurde gestern neuer Ehren- pate des Madonnenberg-Vereins

© -tin


Weil Wein die Herzen öffnet

 

Von unserem Redaktionsmitglied Konstantin Groß

 

Der große Saal im traditionsreichen Gasthaus "Zum Hirsch" ist mit den Flaggen der Stadt, des Landes und des Bundes geschmückt. Schon dies deutet an: Hier tut sich Bedeutsames. Und in der Tat: Der Konvent des Madonnenberg-Vereins ist ein gesellschaftliches Ereignis mit Wirkung weit über Schriesheim hinaus. Erst recht, da hier alljährlich eine prominente Persönlichkeit zum Ehrenpaten ernannt wird.


Viele Prominente sind gekommen. Bei ihrer Begrüßung läuft Bürgermeister Höfer zur Hochform auf. Fast schon in der Manier seines ebenfalls anwesenden Vorgängers Peter Riehl scherzt er etwa über Alt-Landrat Dr. Schütz: "Er verbindet das Mittelmeer mit dem Hirsch".


Beim Blick in die Gästeliste fallen die kirchlichen Vertreter auf: die Pfarrer Lothar Mößner und Ronny Baier und Pfarrgemeinderatsvorsitzender Detlev Aurand. Das ist kein Wunder, denn Ehrenpate wird in diesem Jahr Robert Zollitsch, der ehemalige Erzbischof von Freiburg. Ministerpräsident Winfried Kretschmann, Geehrter des Vorjahres, hat ihn dafür gewonnen und hätte auch gerne die Laudatio gehalten. Doch eine Grippe wirft ihn danieder; gestern Vormittag muss er absagen.


Zur Person: Robert Zollitsch

1938 geboren als Volksdeutscher in Jugoslawien, 1946 Flucht nach Dtld.

1952 Ansiedlung in Mannheim-Rheinau, danach Theologie-Studium.

2003-13 Erzbischof von Freiburg.

2008-14 Vorsitzender der Bischofskonferenz, damit Oberhaupt aller 25 Mio. deutschen Katholiken. 


Und ebenso kurzfristig springt Nicolette Kressl ein, die Regierungspräsidentin. Sie kennt die Szenerie, denn sie ist Ehrenpatin von 2012. Sie verliest die Rede Kretschmanns, die von dessen Engagement in der katholischen Kirche zeugt. Bei der Hochzeit von Kanaan habe Maria Jesus darauf aufmerksam gemacht, dass der Wein aus sei. Darauf habe dieser Wasser in Wein verwandelt.


Und Kretschmann weiß sogar, dass Zollitschs Lieblingsspeise Rheinischer Sauerbraten ist. So rät er dem Kirchenfürsten gerne, dazu einen spritzigen Riesling vom Madonnenberg zu genießen. Dieser erhält denn auch nicht nur die Urkunde, sondern auch eine Flasche Schriesheimer Jubiläumswein, Madonnenberg-Sekt und die passenden Gläser.


Zollitsch selbst bedankt sich mit einer Geschichte. Sein Vorgänger Schäufele habe Freiburg einmal als das schönste Bistum bezeichnet. Als die deutschen Bischöfe dort tagten und badische Weine genossen, mochte keiner mehr widersprechen.


"Der Wein löst die Zunge und öffnet die Herzen", weiß der Alt-Bischof. Damit verbinde er die Menschen. "Wein ist für alte Knaben, eine ihrer schönsten Gaben" zitiert er und berichtet vom allabendlichen Genuss eines Gläschens Rotwein.


Apropos: Den angenehmen kulinarischen Rahmen bereitet das "Hirsch"-Team mit Maultaschen, Schweinebraten, Semmelknödeln und Rotkraut sowie Madonnenberg-Weincreme. Für die musikalische Umrahmung sorgt - dank Vermittlung von Dieter Kolb - Geiger Stefan Krznaric; normalerweise spielt er im Mannheimer "Palazzo". Doch gestern ist der "Hirsch" ein "Palazzo".

 

© Mannheimer Morgen, Dienstag, 21.10.2014

Mannheimer Morgen vom 21.10.2014

Schriesheim: Neben der Ernennung des Ehrenpaten weitere Ehrungen beim Madonnenberg-Verein


Dank für großes Engagement

 

Ehrungen beim Madonnenberg-Verein: Regierungspräsidentin Kressl zeichnet Geschäftsführer Thomas Höhr (l.) mit der Landes-ehrennadel aus.

 

©  -tin


Alt-Erzbischof Robert Zollitsch ist gestern nicht der einzige, der vom Madonnenberg-Verein geehrt wird. Denn traditionell ist der Konvent auch Ort der Ernennung weiterer Paten. Doch diesmal ist er auch Anlass einer staatlichen Ehrung.


Sie gebührt Rathaus-Mitarbeiter Thomas Höhr, ehrenamtlich Geschäftsführer des Madonnenberg-Vereins. "Er ist die gute Seele des Vereins", verliest Regierungspräsidentin Nicolette Kressl die Würdigung des Ministerpräsidenten und verweist auf dessen Engagement für die Homepage oder die Organisation der Vereinsveranstaltungen.


"Er ist ein Aktivposten im Vereinsleben", heißt es in der Würdigung im Hinblick auf Höhrs Engagement als Schatzmeister des Verkehrsvereins Schriesheim und in der Jugendarbeit eines Sportvereins.


Und so überreicht Kressl dem überraschten Geehrten in Vertretung des Ministerpräsidenten die von diesem unterzeichnete Urkunde und die Ehrennadel des Landes, die sie ihm - nach kurzer "Ladehemmung" - ans Revers heftet.


Bürgermeister Hansjörg Höfer seinerseits würdigt Höhrs Ehefrau Margit (zugleich Sekretärin des Bürgermeisters): "Ohne sie wäre vieles im Verein nicht möglich."


Schließlich ernennt Höfer zwei neue Paten. Der eine ist Prof. Dr. Carl-Heinrich Esser, langjähriger Vorsitzender der Heinrich-Vetter-Stiftung: "Sie hat den Madonnenberg-Verein von Anfang an unterstützt". Der zweite neue Pate ist Prof. Dr. Gerd Uwe Auffarth, Chef der Heidelberger Augenklinik, der auch in Schriesheim wohnt. Neben der Urkunde hat Hansjörg Höfer für ihn auch einen fachmännischen Ratschlag parat: "Je besser der Wein, desto schärfer sieht man", sagt der Bürgermeister unter dem Schmunzeln des Publikums. "Also bei mir ist das immer eher andersrum", scherzt darauf Landrat Stefan Dallinger.


Abschließend gilt der Dank Höfers noch allen, die sich für den Madonnenberg engagieren - namentlich seinem Vorgänger Peter Riehl sowie den Schaffern auf dem Berg: Werner Volk und seinen Männern sowie den Ehrenamtlichen, die gestern ebenfalls dabei waren: "Ohne sie wäre es schwer, den Madonnenberg zu bewahren." -tin


© Mannheimer Morgen, Dienstag, 21.10.2014

 

 

Prof. Carl-Heinrich Esser und Prof. Gerd Auffarth (r.) werden zu Paten des Vereins ernannt.

 

©  -tin

Mannheimer Morgen vom 20.10.2014

Weinbau: Madonnenberg-Verein ehrt Alt-Erzbischof Zollitsch


Neuer Pate mit „Draht nach oben“

Von unserem Redaktionsmitglied Konstantin Groß


Regierungspräsidentin Kressl und Alt-Erzbischof Zollitsch mit Madonna.

©  tin


Schriesheim. "Dem Himmel näher" lautet der Titel eines Buches über den Madonnenberg, eine der renommiertesten Weinlagen entlang der Badischen Bergstraße. Seit 25 Jahren werden die steilen Rieslinghänge von einem Verein bewirtschaftet, der alljährlich einen Prominenten zum Ehrenpaten ernennt.


Schriesheim feiert heuer sein 1250. Stadtjubiläum, und so wurde gestern - passend zu jenem Buchtitel - ein ganz besonderer Ehrenpate ausgezeichnet: Robert Zollitsch, der aus Mannheim stammende frühere Erzbischof von Freiburg und bis vor wenigen Monaten als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz Repräsentant von 25 Millionen Katholiken in der Bundesrepublik.


Seine Vorgänger als Preisträger sind unter anderem Erwin Teufel, Günther Oettinger und Winfried Kretschmann. Der jetzige Ministerpräsident sollte gestern auch die Laudatio auf seinen Nachfolger halten, mit dem der Grünen-Politiker durch gemeinsames Engagement in der katholischen Kirche verbunden ist. Doch der Regierungschef musste wegen schwerer Grippe absagen; für ihn hielt Regierungspräsidentin Nicolette Kressl die Laudatio.


Sogar mit Luther einig


"Der neue Ehrenpate ist ein erfahrener Arbeiter im Weinberg des Herrn", verband Kressl dessen Wirken mit der Ehrung. Außerdem habe die Statue der Gottesmutter Maria dem Madonnenberg seinen Namen gegeben. "Ihr guter Draht nach oben wird sicher für besonders gute Erträge sorgen", hofft Kressl auf den neuen Ehrenpaten. "Denn Bier ist Menschenwerk, Wein ist Gotteswerk", zitierte sie Martin Luther.


In diesem Punkt pflichtete der katholische Kirchenfürst dem Reformator gerne bei: "Wein ist ein Geschenk Gottes." Und so bedauerte Zollitsch, dass Freiburg im Unterschied zu Trier und Limburg keine eigenen Weingüter besitze. Doch dank der neun Weinanbaugebiete in Baden sei Freiburg dennoch "das schönste Bistum Deutschlands".


Die neue Ehre übernahm Zollitsch umso lieber, "als ich nicht zu Schere und Hacke greifen muss". Das ist Aufgabe der "normalen" Paten, die ebenfalls ernannt wurden: Schriesheims Bürgermeister Hansjörg Höfer als Vorsitzender und Landrat Stefan Dallinger für das Kuratorium ehrten als solche den ehemaligen Vorsitzenden der Heinrich-Vetter-Stiftung, Prof. Carl-Heinrich Esser, und den Chef der Heidelberger Augenklinik, Prof. Gerd Auffarth.


© Mannheimer Morgen, Dienstag, 21.10.2014

Rhein-Neckar-Zeitung vom 21.10.2014

Robert Zollitsch ist neuer Ehrenpate des Schriesheimer Madonnenbergvereins


Der ehemalige Erzbischof von Freiburg, Robert Zollitsch, ist neuer Ehrenpate des Schriesheimer Madonnenbergvereins.


Na denn Prost: Schriesheims Bürgermeister und Vereinsvorsitzender Hansjörg Höfer, Regierungspräsidentin Nicolette Kressl, der neue Ehrenpate Robert Zollitsch sowie Landrat und Kuratoriumsvorsitzender des Madonnenbergvereins Stefan Dallinger (v. l.). Foto: Dorn

 

 Von Stephanie Kuntermann


Schriesheim. Es war wohl das erste Mal, dass ein Festessen zum Madonnenberg-Konvent mit einem Tischgebet eröffnet wurde. Normalerweise geht es weltlicher zu bei dem Verein, der sich dem "Historischen Weinbau" in Schriesheims nördlichen Weinlagen verschrieben hat, doch gestern wurde erstmals ein Geistlicher zum Ehrenpaten des Vereins ernannt. Robert Zollitsch, ehemaliger Erzbischof und Metropolit der Kirchenprovinz Freiburg, hatte mit der Vereinbarkeit von Amt und geistlichem Stand kein Problem. Wein sei ein Gottesgeschenk, führte er zum Beginn seiner einjährigen Amtszeit aus.


Er erinnerte an den Heiligen Urban, der sich hinter einem Weinstock versteckte und zum Schutzpatron der Winzer wurde, und schlug den Bogen zum Praktischen, nachdem ihn Bürgermeister und Vereinsvorsitzender Hansjörg Höfer mit seinen neuen Pflichten vertraut machte. "Ein Ehrenpate muss doch nicht gleich Rebschere und Hacke in die Hand nehmen", überlegte er, wurde aber eines Besseren belehrt, als ihm aus den Reihen der Mitglieder ein lautes "Doch!" entgegenschallte. Er musste es glauben: Frühere Ehrenpaten wie Landrat Stefan Dallinger, Schriesheims Ehrenbürger Peter Riehl und Regierungspräsidentin Nicolette Kressl kannten sich bestens aus.


Kressl, Patin von 2012, verlas für ihren Amtsnachfolger Winfried Kretschmann die Laudatio; der Ministerpräsident ließ sich wegen Krankheit entschuldigen. Auch er suchte und fand Verbindungen zwischen Wein und Bibel, etwa bei der Hochzeit zu Kana. Erst durch seine Mutter Maria sei Jesus auf den dort herrschenden Mangel an Wein aufmerksam gemacht worden.


Die Madonna wiederum sei Patronin des Freiburger Münsters: "Sie hat einen speziellen Draht nach ganz oben." Luther habe Wein als Menschenwerk bezeichnet, während der Wein von Gott komme: "Glauben Sie als Katholik das einem evangelischen Geistlichen?"


Zollitsch, nach Flucht und Vertreibung in Mannheim-Rheinau aufgewachsen, kenne sich aus in der Rhein-Neckar-Region, ging der Landesvater auf biografische Details ein und offenbarte Hintergrundwissen mit dem Verweis auf sein Lieblingsgericht Rheinischer Sauerbraten. Mit schwäbischen Maultaschen und einem Schweinsbraten in würziger Dunkelbiersauce brachte der Küchenchef des Restaurants "Goldener Hirsch" die Vorlieben beider Paten perfekt unter einen Hut, respektive auf den Teller. Kretschmann kam zu guter Letzt auf den Straßenbau zu sprechen, an sich nicht gerade ein Lieblingsthema der Grünen. Da kürzlich aber die Badische Weinstraße verlängert wurde, habe Zollitsch nun einen direkten Weg von Freiburg nach Schriesheim. Weitere Paten wurden die Professoren Carl-Heinrich Esser und Gerd-Uwe Auffahrt, für sein Engagement für den Madonnenberg-Verein wurde Thomas Höhr mit der Landes-Ehrennadel ausgezeichnet.

Mannheimer Morgen vom 30.09.2014

Schriesheim: Weinlese auf dem Madonnenberg / Riesling-Trauben mit gut 80 Grad Öchsle


Werkeln im Angesicht der Madonna


Von unserer Mitarbeiterin Gerlinde Gregor


Bei strahlendem Sonnenschein Weinlese auf dem Madonnenberg: Bürgermeister Höfer (l.), Landrat Dallinger.

©  greg


Es war ein Herbsttag wie im Bilderbuch: Sonne pur, nur vereinzelt Schleierwolken, milde Temperaturen. Ein idealer Tag zur Weinlese. Dies galt auch für den höchst gelegenen Schriesheimer Wingert, den Madonnenberg, im Angesicht der namensgebenden Statue.

 

Die hiesigen Riesling-Trauben waren süß, hatten sie doch noch einige Zeit das tagsüber sonnig-warme und nachts kalte, aber trockene Wetter genießen dürfen, das ihnen Süße und mehr Öchslegrade bescherte. Bürgermeister Hansjörg Höfer schätzte den Öchslegehalt der Trauben auf 80 Grad, Landrat Stefan Dallinger vertraute mehr seiner geschmacklichen Messung - und die ergab geschmeckte 82 Grad Öchsle.

"Hier oben arbeiten zu dürfen, ist ein Erlebnis", bekannte der Landrat, sei es doch eine willkommene Abwechslung vom Alltag. Doch was er weitaus mehr schätze, das sei die Kommunikation und auch die Vorfreude auf das verdiente Vesper.

Dallinger ging sichtlich fachmännisch an die Reben. Ein Blick sagte ihm, welche Trauben in den Eimer durften und welche auf den Boden geschnitten werden mussten. "Als Großsachsener Bub bekommt man den Wein eben mit der Muttermilch und als erstes Spielzeug eine Rebschere", flachste er. Und er erzählte, dass er als Bub den Nachbarn stets bei der Weinlese geholfen, auf dem Feld mitgearbeitet habe und auch beim Tabakbau aktiv dabei war.


Bei diesem Traumwetter ging das Herbsten schnell und zügig von der Hand. Traube um Traube wanderte in den Eimer, doch so manche wurde auch verkostet und dabei natürlich als gut bewertet. Was den Ertrag anging, so schätzte Bürgermeister Höfer ihn in diesem Jahr sogar etwas höher ein als im vergangenen.


Auf die Lese gefreut hatte sich auch wieder Werner Rendel, der frühere Schulleiter des Kurpfalz-Gymnasiums. "Solch eine Betätigung macht Spaß, wenn man sich im Ruhestand befindet". Er genieße es auch immer, bekannte Gesichter wiederzusehen. Auch biete dieser Termin Gelegenheit, Gespräche zu führen. "Ich hatte mit dem Bürgermeister ein Gespräch über die schulpolitische Lage, und dabei erzielten wir durchaus Einvernehmen." Doch vor allem wurde natürlich geschafft: Bis gegen Mittag hatte Rendel gut acht Eimer Rieslingtrauben gelesen.


Mittlerweile war auch schon das Essen angeliefert worden, Mitarbeiter der Verwaltung hatten im Angesicht der Madonna Bänke und Tische aufgestellt. Ein Gedeck legte man auch für Alt-Landrat Dr. Jürgen Schütz auf, der sich ebenfalls angesagt hatte. Diese kurze Unterbrechung genossen alle bei Sonne mit Hausmacher Wurst, Käseplatte und natürlich mit einem guten Wein.


© Mannheimer Morgen, Dienstag, 30.09.2014

Rhein-Neckar-Zeitung vom 06.12.2013

Ministerpräsident Kretschmann zum neuen Madonnenberg-Ehrenpaten gekürt

 

Landrat Stefan Dallinger überreichte Winfried Kretschmann die Urkunde des Ehrenpaten und kürte das inzwischen ausgeschiedene Vorstandsmitglied der ersten Stunde, Peter Bausback, zum neuen Ehrenmitglied des Madonnenbergvereins. Foto: Bernhard Kreutzer


Von Carsten Blaue

 

Schriesheim. Vieles war anders als sonst beim gestrigen Madonnenbergkonvent. Nicht im Zehntkeller wurde der neue Ehrenpate gekürt, sondern im Festsaal des "Goldenen Hirsch". Nicht abends kam man zusammen, sondern mittags um halb zwei. Und das an einem Donnerstag, werktags, mitten in der Woche. Zeitlich war das Abweichen vom Traditionsprotokoll dem Terminkalender des prominenten Ehrenpaten geschuldet, die räumliche Veränderung der Zehntkellerbaustelle.

Doch all das war der Festlichkeit nicht abträglich. In würdigem Rahmen wurde Ministerpräsident Winfried Kretschmann die ehrenvolle Patenschaft über die Weinberge in der Vohbach angetragen. Die "erfrischende" (so Landrat Stefan Dallinger) Laudatio auf den Landesvater hielt seine Vorgängerin in der Ehrenpatenschaft, Regierungspräsidentin Nicolette Kressl.

Auch sie wurde vom Vorsitzenden des Madonnenbergvereins, Bürgermeister Hansjörg Höfer, begrüßt. Der Rathauschef hatte just an gleicher Stelle vor nicht ganz einer Woche seinen Sieg bei der Bürgermeisterwahl gefeiert. "Willkommen bei mir in Schriesheim", rief er daher seinen anwesenden Kollegen aus dem Sprengel zu und lud sie ein, auf seine Wiederwahl anzustoßen. Schriesheim sei eine Monarchie, so Höfer. Also übergab er das Wort zunächst an Weinkönigin Alexandra, die dem neuen Ehrenpaten für seine Aufgabe "viel Spaß und viel Erfolg."

Bevor Kretschmann jedoch die Ehrenurkunde aus den Händen von Dallinger, dem Kuratoriumsvorsitzenden des Vereins, entgegennahm, war es Kressl, die eine Laudatio hielt, die auch Höfer begeisterte: "Ich habe schon lange nicht mehr eine so launige Rede gehört. Sie hat Maßstäbe gesetzt. Daran muss sich Herr Kretschmann nächstes Jahr messen lassen." Kressl beleuchtete zunächst ihre eigene Patenschaft: "Lieber Wein lesen als gar keine Literatur", sage der Volksmund.

Umso betroffener und schuldbewusster sei sie gewesen, als sie vom mageren Leseergebnis in diesem Herbst hörte. Gerade mal 1000 Kilo waren es, die Hälfte vom Vorjahr. "Was habe ich falsch gemacht", fragte sich die Ehrenpatin, die schon im Büßerhemd kommen wollte: "Das musste ich bei meinem Ausscheiden aus dem Bundestag aber wieder zurückgeben." Das werde in Berlin schließlich immer wieder gebraucht.

An ihr jedenfalls, so Kressl, habe der Ernteeinbruch nicht gelegen. Trost mag sein, dass die Fortführung der "Badischen Weinstraße" von Baden-Baden nach Laudenbach durch Schriesheim führen wird. Man erarbeite gerade den Verlauf, so Kressl. Auch auf die Sanierung der Trockenmauern im Madonnenberg ging sie ein. Zweimal habe sich der Hang bei Bohrungen in Bewegung gesetzt. Es sei zu vermeiden, dass es irgendwann heißt: "Früher sagte man: 'Der Berg ruft. Heute schaut er schon mal selbst vorbei'."

Danach zeichnete die Regierungspräsidentin den Lebensweg Kretschmanns nach, dem dritten Ministerpräsidenten mit Ehrenpatenurkunde und dem ersten Grünen. Er habe es geschafft, die Wahlergebnisse der Grünen in prozentuale Sphären von Likörniveau anzuheben. Kressl unternahm auch den Versuch, Kretschmann einer Rebsorte zuzuordnen, dem Grünen Veltliner etwa: "Angenehme Aromen, der Geschmack nach Citrus und Frucht und seine Lagerfähigkeit: Alles Eigenschaften, die passen könnten". Aber ob das auch für den weniger komplizierten Schwarzriesling gilt mit seinen geringen Ansprüchen an Lage und Boden, seinem späten Austrieb und der niedrigen Säure? "Einigen wir uns auf eine Mischung", so die Regierungspräsidentin.

Am Tag vor dem 6. Dezember bedankte sich Kretschmann bei Kressl, die "als eine Nicolette ja ein weiblicher Nikolaus" sei. Und dieser sei Schutzpatron vieler, auch der "Fassmacher": "Und vom Landesvater zum Paten ist es auch nicht weit", streifte der Ministerpräsident die lateinische Etymologie, um auch mit einem Vorurteil aufzuräumen: "Wir Schwaben sind nicht geizig, sonder nur zu sparsam." Mit Lob sparte Kretschmann für den Madonnenbergverein nicht und gratulierte Höfer zu seiner Wiederwahl: "Die Bürger haben gezeigt, dass sie Dich für einen guten Schultes halten."

Dass Schriesheim auch gute Nachwuchsmusiker hat, bewies das junge Trompetenensemble der Musikschule Schriesheim, das anstelle der Jagdhornbläser spielte - noch so etwas Neues beim diesjährigen Weinkonvent. Der Kabarettist Hans-Peter Schwöbel widmete sich danach feinsinnig auch den Unterschieden zwischen Schwaben und Badenern (insbesondere Kurpfälzern) und machte ihre Koexistenz im "Ländle" an einem Gaumenschmaus fest: "Verheierte", also Spätzle mit Kartoffeln: "Die heißen so, weil sie nicht zusammen passen. Schmecken tut's trotzdem gut."

Gut ist auch die Idee, zwei der Schriesheimer "KinderART"-Jubiläumskalender von Kretschmann und Kanzlerin Angela Merkel signieren zu lassen, um sie dann zugunsten des "Waldpiraten-Camps" der Deutschen Kinderkrebsstiftung zu versteigern, wie Höfer mitteilte. Einen verschenkte der Bürgermeister gestern an Dallinger, hatte dieser doch Geburtstag. Das erste Kalenderblatt vom Januar dürfte Kretschmann übrigens interessiert haben. Es zeigt den Branichtunnel, das derzeit größte Projekt im Landesstraßenbau.

Regierungspräsidentin Nicolette Kressl

Auch Dallinger selbst wurde beschenkt, hatte er gestern doch 51. Geburtstag. Er bekam von Bürgermeister Hansjörg Höfer ein Sektpräsent des Vereins und den ''KinderART''-Jubiläumskalender.

Mannheimer Morgen vom 06.12.2013

Schriesheim: Gestern wurde Ministerpräsident Winfried Kretschmann zum Ehrenmitglied des Madonnenbergvereins ernannt

Landesvater ist nun Patenonkel

Von Konstantin Groß

Eine hochkarätige Festversammlung aus Abgeordneten, Bürgermeistern und anderen Honoratioren der Region empfängt im Saal des "Goldenen Hirsch" in Schriesheim Ministerpräsident Winfried Kretschmann (am linken Tisch rechts).

© -tin

 

Winfried Kretschmann ist neuer Ehrenpate des Schriesheimer Madonnenbergs. Beim traditionellen Weinkonvent überreichte Landrat Stefan Dallinger dem Ministerpräsidenten gestern die kunstvoll gestaltete Urkunde. Der Grünen-Politiker ist der dritte Regierungschef nach Erwin Teufel und Günther Oettinger, dem diese Ehre zu Teil wird.

Gleichwohl hat dieser Konvent mehrere Besonderheiten: Der Termin liegt nicht abends, sondern mittags, der Ort nicht im Zehntkeller (weil dieser gerade saniert wird), sondern im Festsaal des Restaurants "Goldener Hirsch", nicht die Jagdhornbläser, sondern junge Musiker spielen zum Auftakt - statt "Sau tot!" erklingt "Tochter Zion". Und auch die Gästeschar ist so zahlreich und hochkarätig wie seit Jahren nicht.

"Herzlich willkommen in Schriesheim, bei uns, im Madonnenbergverein", empfängt Bürgermeister Hansjörg Höfer den hohen Gast, bevor ihn Weinkönigin Alexandra mit einem Weinspruch begrüßt. 

Regierungspräsidentin humorvoll 

An Regierungspräsidentin Nicolette Kressl ist es, als Geehrte des Vorjahres die Laudatio zu halten. In wohl gesetzten Worten würdigt sie den Weinbau an der Badischen Bergstraße, dessen Zentrum mit 104 Hektar die Stadt Schriesheim darstelle. Viel leiste die Stadt für die Bewahrung der natürlichen Rebenlandschaft. 

Kressl bedauert, dass der Ertrag auf dem Madonnenberg in diesem Jahr mit 1000 Kilogramm nur halb so groß ausfällt wie im Vorjahr - "und das im Jahr meiner Patenschaft!", wie sie scherzhaft hinzufügt: "Was habe ich nur falsch gemacht?", fragt sie sich, um dann doch zu dem gereimten Schluss zu kommen: "Mein Gewissen ist wie Riesling-Wein/Nicht eingetrübt und ziemlich rein." 

Ihr Nachfolger wird es besser machen, ist sie überzeugt. Die Prozente seiner Partei seien dank ihm schon gestiegen - "von dem Niveau von Bier über Riesling auf Likör. Ob Sie sie in die Sphären des Schnapses führen können, bleibt abzuwarten." Und welcher Wein passt am besten zum neuen Paten? Der Grüne Veltliner, "der auch in fortgeschrittenem Alter noch frisch ist", oder der Schwarzriesling - der Konvent ist eben traditionell auch Anlass für politische Anspielungen. Nach Kressls Rede lobt Höfer, dass es eine der besten seit Jahren zu diesem Anlass ist: "Sie haben Maßstäbe gesetzt, an denen sich auch ein Ministerpräsident wird messen lassen müssen." 

Das schafft er, wie bereits seine Antrittsrede zeigt. "Wir Oberschwaben können mehr als Bier und Most, sondern auch Wein", versichert er: "Ich bevorzuge Weine aus dem Land - die einen aus Patriotismus, die anderen, weil ich sie mag." In Schriesheim ist er nun nicht nur Landesvater, sondern auch Pate(nonkel), und so verspricht er, für den Madonnenberg zu werben, dankt zudem dem Verein, der Stadt und dem Rhein-Neckar-Kreis für ihren Einsatz. 

Am Ende persönliche Worte für den Gastgeber: "Dir, lieber Hansjörg, gratuliere ich zu Deinem tollen Wahlsieg." Dieser habe gezeigt, dass die Schriesheimer Höfer "für einen guten Schultheißen halten." 

Mannheimer Morgen vom 06.12.2013

Schriesheim: Auch Bausback und der Landrat werden geehrt

Freude, nicht Pflicht

Ehrende und Geehrte: Landrat Dallinger und Peter Bausback mit BM Höfer.

© tin

Die Erhebung des "MP" zum Paten ist nicht die einzige Ehrung, die gestern beim Weinkonvent vorgenommen wird. Zum Ehrenmitglied des Madonnenbergvereins ernannt wird der Mannheimer Teppich-Unternehmer Peter Bausback.

Seit Gründung des Vereins vor fast 30 Jahren ist Bausback dabei, hat sich auch darüber hinaus in Schriesheim engagiert, vor allem durch den Erhalt und die denkmalschutzgerechte Sanierung des Strahlenberger Hofes und des Goldenen Hirsch, in dem die Festversammlung jetzt zu Gast war. "Für mich war das alles keine Arbeit, sondern Freude", bedankt sich der Geehrte bescheiden.

Geehrt wird auch Landrat Stefan Dallinger, der gestern Geburtstag feiert. "Dass er trotzdem diesen Termin wahrnimmt, zeigt, dass er die Person stets hinter die Sache stellt", dankt Bürgermeister Höfer - und überreicht ihm den von Kindergärten und Schulen gestalteten Jubiläumskalender der Stadt.

Mannheimer Morgen vom 06.12.2013

 

Schriesheim: Beim Weinkonvent gibt‘s auch viel zu schmunzeln

Profis in Humor und Politik

Sichtlich amüsiert ist Kretschmann beim Vortrag von H. P. Schwöbel.

© -tin

Dass es beim Weinkonvent niemals bierernst zugeht, ist bekannt. Dieses Jahr wird besonders viel gelacht. Zum einen, weil man mit Prof. Hans-Peter Schwöbel einen der bekanntesten Kabarettisten der Region verpflichtet hat; zum anderen, weil sich auch die Politiker humorvoll zeigen.

Für Lacher sorgt Regierungspräsidentin Nicolette Kressl, als sie auf die abgerutschten Hänge anspielt: "Früher sagte man: Der Berg ruft. Heute schaut er auch schon mal selbst vorbei." Winfried Kretschmann erweist sich als nicht minder ideenreich: "Nicolette ist ja die weibliche Form von Nikolaus", formuliert er in Anspielung auf den Vornamen der Regierungspräsidentin.

Doch so richtig hintersinnig wird es bei dem Profi Schwöbel, der sich im Angesicht des Ministerpräsidenten ganz dem Ländle widmet: "Seit 1952 leben wir in einem Vielvölkerstaat" - mit klarer Aufgabenverteilung, wie Schwöbel herausarbeitet: "Wir Badener sind fürs Feiern zuständig, die Schwaben spitze beim Schaffen - und wir Badener unternehmen alles, um ihnen diesen Spitzenplatz nicht streitig zu machen."

Und ganz besonders schön ist Baden in den Augen des Kabarettisten natürlich in seinem nördlichen Teil, wie Schwöbel in seinem "Kurpfalz-Rap" offenbart: Ob Mathaisemarkt in Schriese, Altstadtfest in Ladenburg oder Wurstmarkt in Bad Dürkheim - "wir Kurpfälzer lewe gern, bevor ma sterwe!" 

Rhein-Neckar-Zeitung vom 23.10.2013

Wunderschöner Tag tröstete über mageres Ergebnis hinweg
 

Dem Madonnenbergverein ging es wie allen Winzern: Es fehlt dieses Jahr die Menge - Trockenmauern werden der- zeit saniert


Ein Lesetag wie aus dem Bilderbuch: Der Madonnenbergverein fuhr am Samstag seine Ernte ein. Foto: Dorn


Nur 1000 Kilo im Bottich


Von Carsten Blaue


Schriesheim. Einen besseren Tag für seine Weinlese hätte sich der Madonnenbergverein nicht aussuchen können. Am Samstag strahlte die Sonne warm vom fast wolkenlosen Himmel. Die Fernsicht war exzellent. So ließ es sich für die Lesemannschaft nach getaner Arbeit beim Winzervesper bestens aushalten. Bürgermeister Hansjörg Höfer, der Vereinsvorsitzende, verteilte die Wurstplatten sowie Zwiebelmett. Auf dem Tisch stand der beliebte Winzerkäse nach Margit Höhrs Rezept, und Vereins-Vize Peter Bausback hatte Vohbach-Silvaner, Schlossberg-Riesling und Sekt mitgebracht.


Landrat Stefan Dallinger, dem Kuratoriumsvorsitzenden, hätte es sicher gefallen. Doch er war terminlich durch die Feiern zum 40-jährigen Bestehen des Rhein-Neckar-Kreises gebunden. Doch auch so war die Schar der Erntehelfer nicht klein, darunter auch die Schaffer vom Obsthof Volk, Beiratsmitglieder wie Friedrich Ewald, Höfers Gattin Birgit sowie das Ehepaar Höhr. Insgesamt brachten sie gut 1000 Kilogramm Riesling in die Bottiche mit einem durchschnittlichen Mostgewicht von 75 Grad Öchsle. Zum Vergleich: Im Jahr 2011 waren es genau 2508 Kilo gewesen mit 81 Grad Öchsle, im vergangenen Jahr 2000 Kilogramm mit dem exakt gleichen Mostgewicht. So ist er eben, der Wein. Kein Jahr ist gleich, und gerade der Jahrgang 2013 ist nicht einfach. Das Frühjahr war zu kalt und zu nass. In der Blüte kam es zu Verrieselungen, und im Sommer war es dann in Phasen viel zu heiß. Dazu zum Schluss der Fäulnisdruck. Nein, es war kein leichtes Jahr im Weinberg. Umso nötiger war die Lese am Samstag. Der Madonnenbergverein konnte nicht mehr warten – prominente Ausfälle im Leseteam hin oder her. Aus dem Ernteergebnis werde weder Wein noch Sekt, bestätigte Bürgermeister Hansjörg Höfer auf RNZ-Anfrage: „Wir verkaufen die Trauben an die Winzergenossenschaft, um in der Vereinskasse ein kleines Polster zu schaffen.“ Außerdem habe der Verein noch Wein und Sekt des Jahrgangs 2012, der erst mal aufgebraucht werden soll.


Ein anderes Thema für den Verein ist die Sanierung der Trockenmauern hoch oben am Madonnenberg. Diese sind Kulturdenkmale und werden im Rahmen einer Flurbereinigung saniert, weil sie einsturzgefährdet sind. 20 Prozent der Kosten, so Höfer, trage die Stadt. Den Rest finanziert das Land. Wie nötig die Wiederherstellung der Steinwälle ist, zeigte sich schon bei den Arbeiten, die gerade im Gange sind. Bereits zwei Mal habe sich bei Ankerbohrungen der Hang in Bewegung gesetzt, sagte Höfer: „Da muss mehr gemacht werden, als zunächst gedacht.“


Den Bürgermeister beschäftigt auch der Madonnenbergkonvent am 5. Dezember, um 13.30 Uhr. Einem Donnerstag. Die ungewöhnliche Uhrzeit ist dem Terminkalender des Ehrenpaten, Ministerpräsident Winfried Kretschmann, geschuldet. Ob sich der Festsaal des „Goldenen Hirschs“ an einem Werktag zu dieser Zeit wirklich mit vielen Konventgästen füllen wird, vermochte Höfer nicht abzuschätzen.

Mannheimer Morgen vom 22.10.2013

Schriesheim: Weinlese am Madonnenberg / Großteil der Prominenz fehlt wegen des Kreis-Jubiläums


Wenig Masse, aber gute Qualität


Von unserer Mitarbeiterin Linda Wallitzer

© lind

 

Die Lese am Madonnenberg fand zwar ohne viel Prominenz, aber in schöner Landschaft und bei tollem Wetter statt. Und Essbares gab es auch.


Idyllisch und naturbelassen ist die Stelle oberhalb des Madonnenbergs, an der die illustre Schar von Vorstands-, Kuratoriums- und Beiratsmitgliedern sowie die Lesehelfer des Madonnenberg-Vereins ihre traditionelle Herbstvesper einnehmen. Der Blick von hier reicht über die unterhalb angelegten Wingerte der Lage Vohbach, Felder im Vordergrund bis in die Weiten der Rheinebene. Ein wunderschöner warmer Herbsttag, von der Sonne verwöhnt, verstärkt das Wohlgefühl.


Doch vor der Vesper stand die harte Arbeit einer Weinlese in Handarbeit an, denn die Reben stehen in einer Steillage und werden durch Trockenmauern gehalten. In diesem Jahr haben die Reben einen schwierigen Reifeverlauf durchmachen müssen, so sei die Blüte durch das nasse Wetter im Frühjahr sehr verzögert worden, erläutert Vereinsvorstand und Bürgermeister Hansjörg Höfer. Anschließend sei der Sommer extrem heiß gewesen. Er geht von einem um ein Drittel geringeren Herbsterlös aus, erwartet dafür aber bessere Qualität.


Zünftig ging es beim Vesper zu. Der Vereinsvorstand verteilte eigenhändig das leckere Odenwälder Bauernbrot, würzige Wurstscheiben, Mett mit reichlich Zwiebeln oder den von früher her bekannten "Herbstkäs". Das ist ein altes Rezept, eine Mischung aus Quark und Limburger, ergänzt die rührige Organisatorin Margit Höhr. Für die durstigen Kehlen hat der stellvertretende Vereinsvorstand Peter Bausback gesorgt. Beispielsweise mit Silvaner der Lage Vohbach oder Riesling vom Schlossberg. Den Gästen hat er damit köstliche, unverfälschte Schriesheimer Weine kredenzt.

 

Doch ein kleiner Wermutstropfen trübte den Anlass, denn ein Großteil der Eingeladenen, wie Landrat oder IHK-Präsident, waren nicht dabei, weil zur gleichen Zeit die Feierlichkeiten zum 40-jährigen Bestehen des Rhein-Neckar-Kreises Vorrang hatten. Der Lesetermin durfte aber nicht weiter geschoben werden: Die Trauben hätten sonst an Qualität verloren, so die fachkundige Erklärung.


Weinbau am Madonnenberg


1250 erste Erwähnung von Weingärten im Gewann Vohbach. Eine Madonnen-Skulptur ist Namensgeberin für die steile Hanglage; im westlichen Teil wird die Fläche durch Natursteinmauern gehalten.


1832 erwarb Staatsminister Graf von Oberndorff den Madonnenberg und legte einen mit horizontalen Terrassen versehenen Weinberg an.


Hundert Jahre später wurde der Weinberg verkauft; der neue Besitzer pflanzte Pfirsich-, Aprikosen- und Walnussbäume sowie exotische Gehölze an. Der Mammutbaum am Fuße des Madonnenbergs ist noch heute erhalten.


1989 kaufte das Land die Fläche an und verpachtete sie an die Stadt. Gründung des Vereins "Historischer Weinbau Madonnenberg". Der Weinberg wurde nach historischem Muster neu angelegt; die Bach Aue wiederhergestellt und durch regelmäßige Mahd in artenreichen Magerrasen und Wiesen umgewandelt. Der größte Teil dieses Gebiets dient heute dem Schutz von Landschaft und Natur. -lind.



© Mannheimer Morgen, Dienstag, 22.10.2013

 

Rhein-Neckar-Zeitung vom 17.10.2013

Mannheimer Morgen vom 09.10.2013

Am 5. Dezember feiert der Madonnenbergverein

 

Kretschmann zum Konvent?


 

Der traditionelle Weinkonvent des Madonnenberg-Vereins findet am Donnerstag, 5. Dezember, im Gasthof "Hirsch" statt. Dies teilten Bürgermeister Höfer als Vorsitzender und Landrat Stefan Dallinger als Kuratoriumsvorsitzender jetzt mit.                                                                                                

Als neuer Pate des Vereins wird in der Einladung "eine Persönlichkeit des politisch-öffentlichen Lebens mit großer persönlicher Reputation" angekündigt. Informationen, wonach Ministerpräsident Winfried Kretschmann (dpa-Bild) die an ihn ergangene Einladung bereits angenommen habe, wollte Höfer auf Anfrage des "MM" nicht bestätigen.


Die Spekulationen waren ins Kraut geschossen, als Grünen-MdL Uli Sckerl vor kurzem öffentlich erklärte, Schriesheim dürfe stolz sein, dass der Ministerpräsident "drei Mal" innerhalb kürzester Zeit hier zu Gast sein werde; für den Mathaisemarkt im März 2014 und das Stadtjubiläum im Sommer sind Kretschmanns Zusagen bereits bekannt.


Auch die für einen Weinkonvent außergewöhnliche Uhrzeit werktags um 13.30 Uhr deutet nach Ansicht von Beobachtern darauf hin, dass es sich bei dem Ehrengast um einen Spitzenpolitiker handle, auf dessen engen Terminplan die Veranstalter Rücksicht genommen hätten, um ihn als Paten zu gewinnen. -tin


© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 09.10.2013

Anschrift

Weinbau Madonnenberg Schriesheim e. V.
c/o Rathaus

Friedrichstr. 28 - 30
69198 Schriesheim

Telefon: +49 6203 602101

E-Mail: madonnenberg@web.de

 

 

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